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Zeiträume zum Anfassen – die Zugfahrt

Sachaufgaben sind ein eigenes Kapitel und für viele Kinder geradezu einschüchternd.
Noch einmal schwieriger wird es, wenn es nicht nur um Geldbeträge, sondern auch um andere Größen geht wie z.B. Gewichte oder Längenmaße. Und besonders schwierig wird es, wenn mit Zeiträumen gerechnet werden soll.

Zeit wird nicht im Dezimalsystem berechnet, sondern im Hexagesimalsystem der Babylonier. Darum ist bei Aufgaben mit Uhrzeiten meiner Meinung nach die konkrete Anschauung ganz besonders wichtig.
Es ist ja bereits das korrekte Ablesen der Uhrzeit auf einem Zifferblatt für die Zweitklässler eine große Herausforderung.
Deshalb versuchen auch manche Eltern im falsch verstandenen Bemühen, ihrem Kind etwas Gutes zu tun, dieser Schwierigkeit mit der Anschaffung einer Digitaluhr auszuweichen.

Doch wie man an dieser kleinen Szene sehen kann: Das ist nur eine Krücke, eine zeitliche Orientierung liefert das bloße Ablesen der Digitalzeit nicht. Vorher muss erst einmal das Verständnis da sein, was es mit den Uhrzeiten auf sich hat. Und dabei muss mit „richtigen“ Uhren gearbeitet werden.
Zum Rechnen mit Zeit gibt es verschiedene „Prototypen“, von denen ich dir nach und nach einige vorstellen möchte. Heute fangen wir einmal mit diesem an:

Wieviel Zeit ist vergangen?

Das ist eine relativ simple Aufgabenstellung. Relativ simpel allerdings nur in unseren Augen, denn ohne Verständnis läuft da gar nichts. Und genau dieses Verständnis wollen wir in einem anschaulichen und handlungsorientierten Unterricht grundlegen.

Die Aufgabe:
Ein Zug fährt in Köln um 13:20 h ab und erreicht Hamburg um 17:55 h.
Wie lange dauert die Fahrt?

Für das Veranschaulichen eines Zeitraums brauchst du zwei Demo-Uhren für die Wandtafel.
Anfangs- und Endzeit müsssen unbedingt visuell zugänglich sein.
Außerdem brauchst du für je zwei Schüler eine Übungsuhr und außerdem noch runde Faltblätter, alles erhältlich im Lehrmittelhandel, z.B. bei Betzold.

Die Übungsuhr der Schüler wird nun auf die Anfangszeit eingestellt, die ist ja auf der Demo-Uhr an der Tafel zu sehen.
Dann wird der Minutenzeiger einmal rundherum gedreht, also genau eine Stunde weiter.

Und jetzt kommt das Sichtbarmachen der abgelaufenen Zeit: Für diese eine – bereits verstrichene – Stunde klebst du ein rundes Faltpapier an die Tafel.

Das machst du nun für jede weitere Stunde, die die Schüler auf ihrer Übungsuhr weiter drehen.
Die Zeit auf der Übungsuhr nähert sich immer mehr der Ankunftszeit auf der zweiten Demo-Uhr.

So sieht es an der Tafel aus, wenn die Übungsuhr bereits auf 17:20 h vorgerückt ist:

Wenn wir nun die Übungsuhr noch einmal um eine ganze Stunde vordrehen, dann ist es schon zu spät. Also probieren wir es mit einer halben Stunde.
Dann ist es auf der Übungsuhr 17:50 h und das Tafelbild schaut so aus:

Wir sehen: Es sind vier und eine halbe Stunde vergangen.
Bis zur Ankunftszeit 17:55 h fehlen uns noch 5 Minuten.
Die ganze Fahrt hat also 4 Stunden und 35 Minuten gedauert.

Arbeit im Schülerheft:

Die Kinder können diese Aufgabe auch im Heft illustrieren. Sie können entweder Kreise und einen Halbkreis malen, das geht auch freihändig.
Oder, wenn du es ganz genau machen möchtest, kannst du große runde Aufkleber kaufen, die die Kinder ins Heft kleben und auch passend zuschneiden können.

Ich habe mit dieser Veranschaulichung die besten Erfahrungen gemacht und du kannst unterschiedliche Stückelungen sehr gut darstellen:

Viertelstunden und Dreiviertelstunden lassen sich problemlos aus dem bunten Faltpapier ausschneiden.

Für kleinere Zeiträume kann auch ein Kreis mit Zwölfereinteilung als Vorlage zum Ausschneiden kopiert werden.

Ich hoffe für deine Schüler, dass du diese Art der Darstellung einmal ausprobierst. Du wirst sehen, das geht viel leichter in die Köpfe als die Darstellung auf einem Zahlenstrahl.
Der Zeitstrahl ist erst dann eine gute Sache, wenn das Prinzip vollständig begriffen wurde. Aber zum Anfangen finde ich die bunten Kreise einfach am besten und wirklich für alle Kinder unmittelbar zugänglich und einsehbar.